„Armut hat viele Gesichter“ – Sandra Boser MdL und Thomas Poreski MdL diskutieren mit Katharina Beck (Caritas Lahr) und Martin Schneider (Café Löffel Lahr) über Wege aus der Armut

(Lahr) Gut besucht war die Veranstaltung im neuen Bürgerzentrum auf dem LGS Gelände am Dienstagabend zu der die Landtagsabgeordnete der Fraktion GRÜNE Sandra Boser und der Ortsverband der Grünen in Lahr den sozialpolitischen Sprecher der Grünen Fraktion Thomas Poreski eingeladen haben. Gemeinsam mit Katharina Beck, Vorstandsvorsitzende des Caritasverbandes Lahr und Martin Schneider, Diplompsychologe und Geschäftsführer des Café Löffel diskutierten die beiden Landtagsabgeordneten zu „Einmal arm, immer arm? Wege aus Armut und sozialer Ausgrenzung“, über die Armutssituation in Baden-Württemberg und in Lahr. Nach dem Vortrag von Thomas Poreski fand ein reger Austausch mit dem Publikum und den Experten über das Thema Kinderarmut in Baden-Württemberg statt.

Zu Beginn seines Vortrages stellte Poreski klar, dass Armut auch in einem reichen Land wie Baden-Württemberg ein Thema ist. „Mindestlohn und Vollzeit reichen oftmals nicht aus, um eine Familie zu ernähren“, betonte Thomas Poreski. Katharina Beck ergänzte: „Es ist schwierig aus der Armut herauszukommen. Oft ist es ein Ereignis wie Trennung oder Arbeitsplatzverlust, das zur Einkommensarmut führt. Die Folge ist eine Einschränkung an sozialer Teilhabe. Vor allem für Kinder hat dies spürbare Auswirkungen.  Außerhalb der Schule findet oftmals kein Austausch mehr statt, weil kein Geld für Kino, Eis oder beispielsweise Musikunterricht vorhanden ist.“  „Soziale Netzwerke sind wichtig, aber schwer aufzubauen“, stimmte Sandra Boser zu.

Für Martin Schneider ist es wichtig, die Zustände, die zur Armut führen, abzuschaffen. Das bedeutet die Rahmenbedingungen zu verbessern und auch über die aktuelle Rentenpolitik nachzudenken, denn auch Altersarmut ist ein nicht zu vernachlässigender Bereich. Des Weiteren wies Katharina Beck darauf hin, dass es für die Bezugsberechtigten sehr schwer ist, die Antragsstellung bei den verschiedenen Behörden alleine auszufüllen. Thomas Poreski machte auf die Bedürftigkeitsprüfung aufmerksam, eine Idee der Grünen, was viele Anträge überflüssig machen würde.

Podium wie Publikum waren sich einig, dass Armut ein Thema ist, das die ganze Gesellschaft betrifft und alle aufgerufen sind, mitzuhelfen. In diesem Zug stellte die Vorsitzende des Caritasverbandes Lahr, Katharina Beck, das Projekt „FindUs“ vor, bei dem Kindern im Alter von 5-10 Jahren mit Migrationshintergrund und/oder psychisch erkrankten Eltern eine außenstehende Bezugsperson zur Seite steht. Bei der Caritas in Lahr gebe es viele niederschwellige Angebote, damit Menschen in Armut die Chance an sozialer Teilhabe bekommen.

„Der Weg aus der Armut geht über Bildung“, lautete eine Aussage aus dem Publikum. Es brauche pädagogische Fachkräfte, die sich mit den unterschiedlichen Lebenswelten von Kindern auseinandersetzen.

Auf die Frage, ob die Ganztagsschulen ein Instrument gegen Armut seien, antwortete Sandra Boser: „Die Ganztagsschulen können nicht alle Probleme lösen, aber sie verschaffen den Kindern Zugang zu Sport und zu kulturellem Austausch, den sie in ihrer normalen Lebenswelt sonst nicht bekommen würden.“ Zudem können hier Lernangebote gemacht werden, die ihnen die Unterstützung geben können, die es zu Hause nicht immer gibt. Dies gelte für schwache wie starke Schüler gleichermaßen.

Als ein zentrales Problem wurde die Wohnsituation vom Publikum genannt. Dem stimmte Katharina Beck zu, die Wohnungsnot in Lahr sei sehr groß und günstiger Wohnraum fehle. Auch Martin Schneider pflichtet bei, dass es mehr Wohnungsangebote geben müsse, auch für Menschen, die nicht alleine leben können. Thomas Poreski verwies hier auf die Fördermittel des Landes, um die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum zu unterstützen.

Abschließend und da waren sich alle Beteiligten einig, sagte Sandra Boser: „Wichtig ist, offen über Armut zu sprechen und Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen, wieder mit reinzuholen. Armut darf kein Tabuthema sein“.