„Aufstocken von Wohngebäuden ist kein schlechter Ansatz“ – Sandra Boser zu Besuch in der Gemeinde Meißenheim

(Meißenheim) Am Mittwoch, den 08.01.2020, besuchte Sandra Boser – stellvertretende Fraktionsvorsitzende und bildungspolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion – die Gemeinde Meißenheim, um sich mit Bürgermeister Alexander Schröder und Ortsvorsteher Hugo Wingert über aktuelle Themen auszutauschen. Neben dem, derzeit in vielen Gemeinden, wichtigen Thema der Kindertagesbetreuung wurden auch die Ärzteversorgung und der Wohnungsbau thematisiert.

In den vergangenen Jahren wurde von Seiten der Gemeinde Meißenheim bereits umfangreich in den Kindergartenausbau investiert. „Wir müssen den Kindergartenbereich aber weiter ausbauen. Aktuell laufen die Bauarbeiten in der Betreuungseinrichtung St. Franziskus in Kürzell auf Hochtouren. Da in diesem Jahr weitere Großprojekte auf der Agenda des Gemeinderats stehen, gestaltet sich aus finanzieller Sicht der KiGa-Ausbau in Meißenheim als schwierig“, berichtete Bürgermeister Alexander Schröder. Die Gemeinde ist hier auf Fördermittel angewiesen, um die weiteren Lasten stemmen zu können. Sandra Boser erklärte, dass der Fördertopf des Bundes wohl insgesamt noch nicht leer, allerdings in Baden-Württemberg die Mittelzuweisung ausgereizt sei. Es müsste daher nun von Bundesseite geprüft werden, ob eine Umverteilung möglich ist. „Von Seiten des Landes unterstützen wir die Gemeinden bei den Betriebskosten. Zudem erhöhen wir die Mittel für die Sprachförderung und unterstützen künftig bei der Leitungszeit. Mit einer Fachkräfteoffensive wollen wir dem Mangel entgegenwirken. Damit wollen wir die Qualität der Einrichtungen weiter verbessern“, so die Abgeordnete.

Des Weiteren verwies Bürgermeister Schröder auf das aktuell in der Gemeinde laufende Sanierungsprojekt des ESC (Energie-Einspar-Contracting), welches in Zusammenarbeit mit der Kommunalen Energie-Agentur (KEA) des Landes Baden-Württemberg umgesetzt wird und insbesondere den Schülerinnen und Schülern der Gemeinde zu Gute kommt. Bezüglich des Umbaus von Schulen berichtete die Landtagsabgeordnete Boser, dass die beiden Programme zum Schulbau und zur Schulhaussanierung zu einem Programm zusammengelegt werden sollen und die Mittel hierfür nochmals erhöht wurden.

Ein wichtiges Anliegen war Bürgermeister Schröder auch der Wohnungsbau. „Wir brauchen Wohnraum für junge Familien“, betonte Schröder. „Der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum wird in Zukunft weiter steigen, weshalb das Land seine Wohnbauförderprogramme nochmals ausgebaut hat“, ergänzte Boser. Schröder verwies darauf, dass auch in kleineren Gemeinden mehr Mehrparteienwohnanlagen entstehen müssen, um den zukünftigen Wohnraumbedarf decken zu können. Jedoch stelle sich die Frage, wie dies zum Dorfcharakter passe. „Es muss ein Umdenken stattfinden. Mehr Flächen wird es nicht geben. Das Aufstocken von Wohngebäuden ist kein schlechter Ansatz“, pflichtete Boser bei und verwies auf die neue Förderlinie „Wohnungsbau BW-kommunal“. Dabei verpflichtet sich die Gemeinde auf eine Miet- und Belegungsbindung von mindestens 30 Jahren. Kommunen können sich bei der L-Bank zum Thema kommunaler Wohnungsbau beraten lassen und auch im privaten Bereich wird das Bauen mit Holz vom Land unterstützt.

Hohe Priorität legten Bürgermeister Schröder und Ortsvorsteher Wingert auf die Sicherung der ärztlichen Grundversorgung in der Gemeinde. Mit dem Weggang der Allgemeinmedizinerin Anke Markones in eine Nachbargemeinde im Jahre 2019, gibt es im Kern-Ort Meißenheim keinen Hausarzt mehr. Sandra Boser wies darauf hin, dass eine moderne Praxis wichtig sei, um junge Ärzte und Fachkräfte für den ländlichen Raum zu gewinnen. Daher wurde der von Schröder skizzierte und von Dr. Moritz Weber geplante Praxisneubau von der Abgeordneten Boser sehr positiv bewertet. Dr. Moritz Weber hat vor etwas über einem Jahr von seinem Vater die Zahnarztpraxis in Meißenheim übernommen. Zum Abschluss des Gemeindebesuchs erfolgte eine Stippvisite der Zahnarztpraxis Dr. Weber in der Lahrer Straße. Die Praxis liegt im ersten Stock eines denkmalgeschützten Fachwerkhauses und ist für Personen mit einer Gehbehinderung nur schwer zu erreichen, da ein barrierefreier Zugang nicht gegeben ist. Der von Dr. Weber im Gewerbegebiet Tieflache, gegenüber dem neuen Rathaus, geplante Neubau ist ebenerdig und wird von seiner Gesamtkonzeption barrierefrei und bestens für alle Patienten erreichbar und begehbar sein. Neben dem Neubau stehen auch Investitionen in neue Behandlungsgeräte an. „Ich bin froh auf dem Land zu arbeiten. Das Praktizieren im ländlichen Bereich birgt auch viele Vorteile“, so Dr. Weber. Sandra Boser betonte: „Die dezentrale Versorgung ist wichtig. Der ländliche Raum hat attraktive Arbeitsbedingungen. Von Seiten des Landes versuchen wir gerade durch verschiedene Angebote die Ärzteversorgung im ländlichen Raum zu verbessern.“