Besuch in Gutach mit Plätzchen und erstem Schnee

(Gutach) Mit einer kurzen Powerpoint-Präsentation hatte Bürgermeister Siegfried Eckert dem Gast die Gemeinde vorgestellt, um danach dann gleich auf die „Problemzonen“, sprich: notwendige Sanierungsmaßnahmen überzuleiten. Die da wären: Um-, beziehungsweise Neubau von Brücke und Radweg bei Gutach-Turm, der Bahnübergang Gutach VIII und die Kirchenbrücke. „Die Kirchenbrücke ist eine wichtige Ost-West-Verbindung innerhalb des Ortes, eine Hauptbrücke also“, so der Bürgermeister. Und für deren Sanierung sei jetzt vom Land Baden-Württemberg ein neuer Fördertopf mit einer Gesamtsumme von 55 Millionen Euro bereitgestellt worden. Die Bedingungen für Zuschüsse daraus seien so formuliert, als wären sie exakt für die Situation in Gutach geschrieben worden, freute sich Eckert über die mögliche neue Geldquelle, von der er erst vor wenigen Tagen erfahren habe. Vorgesehen ist eine Förderung der Projekte von bis zu 40 Prozent, was bei den geschätzten Sanierungskosten für die Kirchenbrücke von 280 000 eine beträchtliche Summe darstellt. An Boser richtete Eckert die Bitte, sich mit dafür einzusetzen, dass der Förderantrag bereits zum ersten Stichtag am 31. März 2018 berücksichtigt werde. Sonst müsse man ein volles Jahr bis zum nächsten Stichtag warten.

Wie in nahezu allen anderen Kinzigtalgemeinden auch, stand das Thema Breitbandausbau auf der Agenda. Hier ist Gutach nach Eckerts Aussagen dank der guten Zusammenarbeit mit der Telekom „nicht mal ganz so schlecht unterwegs“.

Eine rege Diskussion entspann sich bei dem Thema Schule. Gemeinderat Thomas Albrecht kritisierte als Vater zweier schulpflichtiger Kinder neben den großen Klassenteilern und dem fehlenden Personal für Krankheitsvertretungen oder bei Elternzeit vor allem den enormen Leistungsunterschied innerhalb der Klassen. Dieser liege unter anderem im Wegfall der verbindlichen Schulempfehlung begründet. Zudem warf er der Politik vor, die Gemeinschaftsschule zu Lasten andere Schultypen zu vernachlässigen. Diesem Vorwurf widersprach Boser energisch. „Jede Schulart hat eine eigene Kontingenttafel und es gibt keine Bevorzugung einer Schulart.“

Allerdings bestätigte sie eine angespannte Personalsituation, speziell in Grundschulen. Die Ursachen dafür lägen in einem Mangel an entsprechenden Lehrkräften, an dem hohen Anteil von Teilzeitkräften sowie an unzutreffenden statistischen Angaben. „Man hat uns immer wieder gesagt, dass wir rund 20 Prozent weniger Schülerinnen und Schüler haben werden. Danach wurde der Personalbedarf ermittelt. Doch jetzt sind es doch deutlich mehr geworden“.
Städte bevorzugt

 

Ein spezielles Problem des ländlichen Raum sei es, dass es Lehrer eher in die Städte als aufs Land ziehe. Dem Lehrermangel steuere die Landesregierung mit verschiedenen Maßnahmen entgegen. Dazu gehöre beispielsweise, pensionierte Pädagogen zur Rückkehr in den Schuldienst zu bewegen. „Aber an der Situation wird sich so schnell nichts ändern“, warnte sie vor zu großen Hoffnungen auf eine schnelle Lösung des Problems, was den FDP-Gemeinderat Hans-Jürgen Schneider zu der Bemerkung veranlasste, die Politik habe das Problem zu spät erkannt.

Kritische angemerkt wurde von den Gemeinderäten auch, dass sich die Aufenthaltsdauer der Kleinen in den Kindergärten immer weiter verlängere, was in Gutach jährlich zu Mehrkosten von 40 000 Euro führe, ohne dass sich die Zuschüsse vom Land erhöhten. Boser stellte in Aussicht, dass mit der geplanten schrittweisen verbindlichen Einführung des Orientierungsplans auch Landesmittel zur Verfügung gestellt würden.

Hart ins Gericht gingen die Gemeinderäte und auch der Bürgermeister mit der ständig steigenden Zahl an Gesetzen Vorschriften, Verordnungen. „Und das in der Regel nicht zum Wohle des ländlichen Raums“, wie Eckert kritisch anmerkte. Von einer Vernachlässigung des ländlichen Raums seitens der Landesregierung wollte Boser allerdings nichts wissen und nannte als Gegenargument mehrere speziell für diesen Bereich aufgelegte Förderprogramme, was Eckert jedoch am Beispiel des Breitbandausbaus relativierte. „Hierzu würde unsere Gemeinde rund drei Millionen Euro benötigen. Selbst bei einer Förderung mit 60 Prozent durch das Land bleiben immer noch weit über eine Million Euro an der Gemeinde hängen. Und die können wir nicht stemmen“, entgegnete er.
Umgang mit dem Wolf

Angesprochen wurde beim zweieinhalbstündigen Gemeindebesuch Bosers auch der Umgang mit dem Wolf. Man müsse sich in dieser Frage im gesetzgeberischen Rahmen bewegen, so die Abgeordnete der Grünen, die unterschiedliche Meinungen zu dem Thema sogar innerhalb ihrer Fraktion einräumte. „Hier ist es wichtig, wie sich die jeweilige Situation darstellt. Mir ist bewusst, dass in dieser Region die Schafherden oft zu klein sind, sich einen eigenen Herdenschutzhund anzuschaffen“, differenzierte Boser. Sollte es sich um ein Problemtier handeln, könne der Wolf auch jetzt schon abgeschossen werden.