„Der Umgang mit digitalen Medien muss geübt werden“ Sandra Boser MdL besucht mit dem Leiter des Steinbeis-Beratungszentrums die Städtische Musikschule Lahr

(Lahr) Wie können digitale Medien das Lernen begleiten? Um Antworten auf diese Frage zu finden, hat Sandra Boser, stellvertretende Fraktionsvorsitzende und bildungspolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion,  Prof. Dr. Thomas Breyer-Mayländer, Leiter des Steinbeis-Beratungszentrum in Ettenheim, am Montag, den 28.Oktober 2019, zu einem Besuch der Städtischen Musikschule in Lahr eingeladen. Gemeinsam mit dem Musikschulleiter Tobias Meinen haben sich Frau Boser und Professor Breyer-Mayländer schwerpunktmäßig über das Thema Digitalisierung ausgetauscht.

Zu Beginn der Gesprächsrunde stellte Professor Breyer-Mayländer klar, dass Digitalisierung weder gut noch schlecht sei. Es ist die Frage, wie und wo macht Digitalisierung Sinn? Die Landtagsabgeordnete erklärte, dass dies momentan eine schwierige Diskussion sei. „Digitalisierung ist ein Baustein der Didaktik. Es geht nicht darum, analoges durch digitales zu ersetzen, sondern einen pädagogischen Mehrwert zu schaffen. Es ist ein pädagogischer Auftrag Medienkompetenz mit an die Hand zu geben und informationstechnische Grundlagen zu vermitteln“, äußerte sich die Landtagsabgeordnete Boser. Dem ergänzte Breyer-Mayländer: „Demokratie lebt vom Mitmachen, aber auch vom Verstehen! Dies gilt auch beim Umgang mit digitalen Medien.“ „Eine digitale Umgebung ergibt neue Möglichkeiten und neue Unterrichtssettings, diese werden im Idealfall von den Schüler*Innen gar nicht als „digitale Umgebung“ wahrgenommen, sondern als neue, hoffentlich bessere, Unterrichtsform“, fügte Musikschulleiter Tobias Meinen hinzu.

Sandra Boser teilte den beiden Herren mit, dass der Digitalpakt sehr unterschiedlich von den Schulen aufgenommen werde. Ihr war es wichtig zu erfahren, wie man beim Thema Digitalisierung Ängste abbauen und den digitalen Weg begleiten könne. Dies nahm Tobias Meinen zum Anlass von seinen Erfahrungen von seinem neuen Unterrichtskonzept „GrooveLab“ zu berichten. „GrooveLab ist inzwischen an der Musikschule etabliert. Es findet ein individualisiertes Lernen im sozialen Kontext, angelehnt an die Montessori-Pädagogik, statt. GrooveLab ist eine digitale Lernwelt für Schüler, die durch digitale Assistenten beim Lernen unterstützt werden, zum Beispiel mit Kopfhörern, Mischpult, Tablets und speziell entwickelten Apps. Meinen erklärte: „Die Schüler lernen selbstständig. Absolut wichtig ist hierbei, dass das pädagogische Konzept den Einsatz digitaler Assistenten steuert. Pädagogik steuert Digitalisierung und nicht umgekehrt!“ Im Weiteren wies er darauf hin, dass GrooveLab in Kooperation mit allgemeinbildenden Schulen ein niederschwelliges Angebot sei, um so für alle den Zugang zur Musik zu schaffen. GrooveLab biete den Freiraum den Schüler brauchen, um sich zu entfalten und ihre Stärken herauszuarbeiten. Wir simulieren ein musikalisches Elternhaus, ein Erlebnisraum, der die Basis der Pop-Musik abdeckt. Dies konnte nur entstehen, weil es aus der Initiative der Lehrkräfte heraus entwickelt wurde, die den Grad der Digitalisierung mitgestalten konnten. Es braucht Keimzellen wie GrooveLab, um neue Ideen zu entwickeln, zu verwirklichen und diese später an den Schulen zu festigen.

Wie Sandra Boser sind auch Professor Breyer-Mayländer und Tobias Meinen davon überzeugt, dass die Schulen beim Digitalpakt Unterstützung brauchen. „Die Administration wird aufwendiger werden, hier braucht es neue Angebote. Schulen müssen sich um die pädagogischen Kompetenzen kümmern und nicht um IT-Angelegenheiten“, betonte der Leiter des Steinbeis-Beratungszentrum. „Wichtig sei es“, so Breyer-Mayländer, „die Leute ins Thema miteinzubeziehen, damit für sie kein Kontrollverlust entstehe.“ „Über das Landesmedienzentrum oder die Kreismedienzentren gibt es Möglichkeiten für Beratung, jedoch reicht die Kapazität scheinbar nicht aus“, erklärte die Landtagsabgeordnete. Dem ergänzte Musikschuleiter Meinen, dass ein digitaler Hausmeister von Vorteil wäre, um die Schulleitungen und Lehrkräfte auf dem Weg der Digitalisierung besser zu unterstützen.

Zum Schluss erzählte Tobias Meinen noch von der Kooperation mit der Eichrodtschule, die ihren Musikunterricht in den dritten Klassen zur Hälfte in die Städtische Musikschule Lahr verlegt hat. „Ein außerschulischer Lernort tue den Schülern gut“, betonte Prof. Breyer-Mayländer. Die grüne Landtagsabgeordnete merkte an: „Es ist nicht für jedes Kind selbstverständlich ein Musikinstrument lernen zu dürfen. Sinnvoll wäre ein ganzheitlicher Lernansatz in den Grundschulen, so dass neben den Basiskompetenzen wie Mathe und Deutsch auch verschiedene Musikinstrumente gelernt werden können.“ „Jedem Kind ein Instrument kann über neue Angebote künftig besser ermöglicht werden“, so Sandra Boser abschließend.