„Gewaltprävention steht an erster Stelle in der Beratung“ – Sandra Boser zu Besuch beim Verein Frauen helfen Frauen Ortenau e.V.

(Offenburg) Am Donnerstag, den 14.02.19 besuchte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen-Landtagsfraktion, Sandra Boser, den Verein Frauen helfen Frauen Ortenau e.V., um sich über die aktuelle Situation des Frauenhauses und der Fachberatungsstelle zu informieren.

Als Träger des Frauenhauses und der Fachberatungsstelle in der Ortenau hat der Verein eine zentrale Rolle bei der Beratung und Begleitung von Frauen, die vor häuslicher Gewalt Schutz suchen. Die Beratungsnachfrage steigt seit Jahren und stellt den Träger vor zusätzliche Herausforderungen. Geschäftsführerin Monika Strauch berichtete der grünen Abgeordneten, dass der Betrieb des Frauenhauses inzwischen weitestgehend kostendeckend sei. Gleichwohl müsse jedes Jahr neu verhandelt werden. Ohne den Einsatz von ehrenamtlich Tätigen wäre die tägliche Arbeit nicht vorstellbar, so Strauch. Mit der Umstellung der bisherigen pauschalen Förderung auf eine Tagessfinanzierung im vergangenen Jahr waren einige Änderungen verbunden. So gibt es seit 2019 eine volle Stelle im Kinderbereich, die teilweise noch aus Spendenmitteln mitfinanziert wird. Dank der Spende in Höhe von 180.000 Euro der Benefizaktion „Leser helfen“ der Mittelbadischen Presse kann ab Anfang 2020 ein neues Haus bezogen werden. „Das ist eine riesige Erleichterung!“, so Vorstandsmitglied Inge Vogt-Goergens, da das bisherige Frauenhaus mit der angeschlossenen Übergangswohnung nur Platz für 9 Frauen und bis zu 13 Kindern biete. Jedes Jahr konnte der Verein bis zu ca. 150 Frauen und mindestens nochmals so viele Kinder wegen Vollbelegung nicht aufnehmen.

Ein weiteres Thema war die Umsetzung des Landesaktionsplanes gegen Gewalt an Frauen. Ziel des Aktionsplanes ist es, ein bedarfsgerechtes Angebot an Frauen- und Kinderschutzhäusern sowie spezialisierten Fachberatungsstellen sicherzustellen. Aktuell gibt es in Baden-Württemberg 42 Frauen und Kinderschutzhäuser mit rund 750 Plätzen. Die Bedarfsanalyse und die Empfehlungen der Istanbul-Konvention des Europarats zeigten jedoch, dass in Baden-Württemberg dringend weitere Plätze in Frauen- und Kinderschutzhäusern erforderlich seien, so Inge Vogt-Goergens. Die grüne Abgeordnete Boser: „Deshalb unterstütze ich den Vorstoß von Sozialminister Lucha, im kommenden Doppelhaushalt pro Jahr einen zweistelligen Millionenbetrag für einen flächendeckenden Ausbau der Frauen- und Kinderschutzhäuser mit Beratungsstellen bis 2022 zur Verfügung zu stellen.“ Der Bund dürfe von Gewalt betroffene Frauen nicht im Regen stehen lassen. Auch auf Bundesebene brauche es eine verlässliche Finanzierung der Frauen- und Kinderschutzhäuser, so Boser.

Laut Monika Strauch, würde nur eine Minderheit der Betroffenen sich überhaupt Hilfe holen, sodass von weitaus mehr Opfern auszugehen sei. Betroffene Frauen schwiegen oft aus Angst oder schämten sich, Hilfe in einer Beratungseinrichtung oder Schutz in einem Frauenhaus zu suchen. Wichtig sei es, Gewalt gegen Frauen öffentlich zu machen und zum Hinschauen zu sensibilisieren. Die grüne Abgeordnete stimmte zu: „Wir müssen die Präventionsarbeit in allen Bildungsbereichen stärken, systematisch ausbauen und damit bereits im Kindesalter anfangen.“ Mit den neuen Bildungsplänen würden Schulen entsprechende Programme zu den Themen Gewalt, Sucht und Gesundheitsprävention zur Verfügung gestellt. Ziel sei, Mädchen und Jungen ihrer Persönlichkeit und Konfliktlösungskompetenz zu stärken, so Sandra Boser abschließend.