Im Gespräch mit der AOK Südlicher Oberrhein

(Offenburg) Sehr interessiert zeigte sich Sandra Boser beim gesundheitspolitischen Austausch, zu dem Petra Spitzmüller, stv. Geschäftsführerin der AOK Südlicher Oberrhein und Pressesprecher Frank Kölble eingeladen hatten. „Ich bin erstaunt darüber, wie tief Sie in wichtigen gesund-heitspolitischen Themen drin sind“, fand Petra Spitzmüller. „Und das obwohl Sie ja eigentlich bildungspolitische Themen im Blick haben“.

Spitzmüller stellte der Landtagsabgeordneten die „Agenda Gesundheit“, in der die AOK die Versorgungssituation, Forderungen und Wünsche an die Politik beschreibt, vor. Man war sich einig, dass das deutsche Gesundheitssystem zwar zu den besten der Welt zählt, dass sehr viel Geld in dieses System fließt, dass Deutschland bei der Gesundheit der Bevölkerung im Ver-gleich zu anderen Ländern aber nur im Mittelfeld liegt. „In Deutschland gibt es rund 2000 Krankenhäuser mit rund 500.000 Betten“ erklärte Spitzmüller und verwies auf die Situation in Dänemark. Dort wurden viele kleine Häuser durch wenige große ersetzt. „Würde man diese Dimensionen auf Deutschland übertragen, so gäbe es bei uns circa 330 Krankenhäuser – alle mit CT, MRT und Fachärzten, die rund um die Uhr an allen Tagen der Woche ver-fügbar wären. Dies sichert Qualität auf ganz hohem Niveau“. Davon ist auch Sandra Boser überzeugt: „Ich würde auch lieber ein Krankenhaus wählen, von dem ich weiß, dass es durch entsprechende Fallzahlen über genügend Routine verfügt, auch wenn ich dafür ein paar Kil-ometer mehr fahren müsste. Viele Bürgerinnen und Bürger, mit denen ich darüber sprechen, sehen das genauso“.

Auch wie es um die hausärztliche Versorgung auf dem Land bestellt ist, wollte die Politikerin wissen. „Gemeinsam mit Partnern laden wir immer wieder Medizinstudenten und ange-hende Ärzte über ein Wochenende in die Ortenau ein – zu einem Date mit der Ortenau“, berichtete Spitzmüller. „Wir zeigen dann, wie gut es sich in der Ortenau als Arzt arbeiten und leben lässt. Wir bringen die jungen Menschen mit erfahrenen Medizinern zusammen, die dann aus ihrem Leben als Hausarzt berichten“. Die Nachwuchsmediziner erfahren dann, welche Chancen die medizinischen Netzwerke zum Beispiel mit Fachärzten und dem Ortenau Klinikum bieten, wer seine Praxis abgeben möchte oder welche Betreuungsmöglichkeiten und schulische Bildungsangebote es für die Kinder gibt. „Wir wünschen uns von der Politik einfach mehr Gestaltungsspielräume. Das fördert den Wettbewerb um die Versorgungsqual-ität“. Auch die hausarztzentrierte Versorgung, die den Hausarzt als Lotsen stärkt, die Präven-tion und das betriebliche Gesundheitsmanagement waren Themen. „Dieses Engagement honorieren unsere Versicherten. Allein im Ortenaukreis hatten wir im letzten Jahr einen Zu-wachs von über 5.500 Menschen“, erklärte Pressesprecher Frank Kölble gegen Ende des Treffens. „Das entspricht ungefähr der Einwohnerzahl von Kippenheim“. An dieser Stelle wies die Grüne Landtagsabgeordnete auch auf das Landesprogramm für Landärzte hin, mit dem ein Hausarzt in Baden-Württemberg bis zu 30.000 Euro Landesförderung erhalten kann, wenn er sich in einer ländlichen Gemeinde ohne Arzt niederlässt.