Plenarrede vom 11.10, TOP 2: Unterrichtsausfall

Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen,

das wir in diesem Schuljahr wieder nicht alle Lehrerstellen besetzen konnten, ist für uns Grüne selbstverständlich eine unbefriedigende Situation.

Woher dieser Mangel kommt, darauf will ich nicht intensiv eingehen. Es ist nur erstaunlich, dass scheinbar keiner bemerkt hat, dass wir in diese Situation kommen werden.

Ich bin Ministerin Bauer an der Stelle sehr dankbar, dass sie in den vergangenen Jahren immer mehr Studienplätze eingerichtet hat, als vom Kultusministerium angemeldet wurden – sonst sehe es noch schlechter aus.

Ich will an der Stelle auch gerne die neue Lehrerausbildung erwähnen, die zumindest in der Sekundarstufe in der Zukunft mehr Flexibilität bietet.

Und so muss man sagen, dass wir im Ländervergleich noch ganz gut dastehen. Schaut man sich an, dass an Berliner Schulen im Moment 25% Quereinsteiger angestellt sind, konnten wir diesen Schritt zum Glück vermeiden.

Dabei ist mir aber auch wichtig darauf hinzuweisen, dass die Lehrerstellenbesetzungen sehr unterschiedlich sind.

So sind die beruflichen Schulen und die Gymnasien mit einer sehr guten Ausstattung in das Schuljahr gestartet.

Gerade die Gymnasien sind mit einer sehr guten Lehrerversorgung in das neue Schuljahr gestartet, die sich nicht schlechter darstellt als in den vergangenen Jahren.

Sollte sich der Stundenausfall nach der Erhebung des KM an den Gymnasien bestätigen, dann muss man schauen woher dieser Stundenausfall kommt und wie man dem begegnen kann.

Wenn wir Bildungsgerechtigkeit ernst nehmen, dann müssen wir den Fokus darauf legen, dass sich die Lehrerversorgung an den Grundschulen, SBBZ, Realschulen und Gemeinschaftsschulen zu Beginn des Schuljahres genauso gut darstellt, wie an den Gymnasien.

Es war daher wichtig und richtig, dass für diese Schulen ein Maßnahmenpaket geschnürt wurde, dass auch an vielen Stellen gewirkt hat.

Wir haben das Maßnahmenpaket  des Kultusministeriums bereits im vergangenen Schuljahr unterstützt, weil es Möglichkeiten eröffnet hat um die Situation zumindest an manchen Stellen zu verbessern.

Mit den vorgezogenen Ausschreibungsmöglichkeiten im ländlichen Raum konnten bereits Anfang des Jahres Stellen frühzeitig besetzt werden – das gab Sicherheit für die Schulen und die Referendare.

Leider konnten dabei  nicht alle Stellen bereits frühzeitig besetzt werden, oftmals mit der Begründung von Seiten der Referendare, dass lieber erstmal abgewartet wird, ob nicht etwas passendes in der Stadt angeboten wird.

Ich sag an dieser Stelle ganz ehrlich, von Prämien für diejenigen die Stellen auf dem Land annehmen halte ich überhaupt nichts. Vor allem der Vorschlag den ich von der FDP gehört habe den Referendaren das Angebot zu machen eine Stelle für fünf Jahre im ländlichen Raum annehmen zu „müssen“ mit der Aussicht dann in die Stadt zu dürfen.

Was ist das für ein Signal nach außen? Erstmal müsst ihr in den unattraktiven ländlichen Raum und dann dürft ihr in die Stadt? Genau so werden wir die Attraktivität der ländlichen Räume nicht steigern.

Zumal es der ländliche Raum auch gar nicht nötig hat. Mit seinen geringeren Mieten, wohnen mitten in der Natur, kurzen Wegen ist er gerade auch für junge Menschen und Familien attraktiv.

Ich bin auch allen Lehrerinnen und Lehrern dankbar, die ihr Teilzeitdeputat aufgestockt haben. Wir wissen, dass sich derzeit sehr viele junge Lehrerinnen und Lehrer in Elternzeit befinden oder noch kleine Kinder haben. Umso wichtiger ist es, dass wir am Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf dranbleiben.

Ich empfinde es dabei sehr positiv, dass man über flexible Arbeitszeitkonten nachdenkt.

Neben den ganzen weiteren Maßnahmen, die wir durchaus auch zum Teil als kritisch ansehen, am Ende aber auch für notwendig erachten, muss man für die Zukunft ganz sicher darüber nachdenken, wie man Schule mit all ihren Herausforderungen so ausstattet, dass für die Schülerinnen und Schüler die besten Lernangebote und die beste Lernumgebung geschaffen werden.

Konkret meine ich damit den Auf- und Ausbau von multiprofessionellen Teams.

Das Land gibt den Schulen bereits die Möglichkeit diese Teams aufzubauen, wir müssen für die Zukunft prüfen ob diese Möglichkeiten ausreichen und wie man sie verbessern kann.

Diese multiprofessionellen Teams sind wichtiger denn je, denn sie bieten Angebote die über das pädagogisch/fachliche hinausgehen. Diese Teams können aus Erziehern, Sonderpädagogen, Sozialarbeitern und vielen anderen bestehen.

Als Beispiel will ich hier aber auch Möglichkeiten wie Teach First nennen, die es mit ihren Angeboten hervorragend schaffen, Schülerinnen und Schüler die innerlich mit der Schule bereits abgeschlossen haben einen neuen Ansporn zu geben.

Zentral ist für uns, dass man für die künftigen Jahre genau hinschaut, ob die Planungen stimmen.

Dabei muss man natürlich auch prüfen, ob man die Studienplätze weiter ausbauen muss.

Wir stehen dem offen gegenüber, man sollte dabei aber auch berücksichtigen, dass sich derzeit viele Lehrerinnen und Lehrer in der Elternzeit befinden.

Es darf am Ende nicht dazu führen, dass wir zusätzliche Lehrerinnen und Lehrer ausbilden, die dann aber keine Stelle bekommen, weil sie von Rückkehrern aus der Elternzeit besetzt sind.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, für uns ist eine gute Lehrerversorgung über alle Schularten und alle Regionen hinweg ein wichtiges Ziel. Um dies zu erreichen, hat die Landesregierung bereits verschiedene Maßnahmen auf dem Weg gebracht. Dabei sind die Gymnasien und beruflichen Schulen im Land diejenigen, die mit der besten Lehrerversorgung gestartet sind und so muss unser Fokus darauf liegen, dass wir im Sinne von Bildungsgerechtigkeit auch die anderen Schularten derart gut ausstatten.