Sandra Boser MdL informiert sich an der Basis über die Situation an den Schulen – „Außerschulische Partner wieder mit ins Boot holen“

(Friesenheim) Für die Schulen bedeutet die Corona Krise tiefe Einschnitte und große Veränderungen. Der Fernunterricht hat eine enorme Entwicklung und Umstellung für SchülerInnen und LehrerInnen bedeutet, gerade für die Grundschulen ist dies eine besondere Herausforderung. Auch die Schulöffnungen bedeuten eine enorme Organisation. Am Freitag, den 29. Mai 2020, tauschte sich die stellvertretende Fraktionsvorsitzende und bildungspolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion, Sandra Boser in dem Bürgersaal des Rathauses in Friesenheim bei einem Gespräch mit Monika Doberitz (Schulleiterin der Grundschule Friesenheim),  Angelika Philipzen (Schulleiterin Realschule Werkrealschule Friesenheim) und Herrn Bürgermeister Erik Weide über die aktuelle Situation an den Schulen aus und informierte sich über die Maßnahmen und Auswirkungen der Corona Krise.

„Ende Juni sollen die Kitas und Grundschulen wieder vollständig öffnen“, berichtete die Landtagsabgeordnete Boser zu Beginn der Gesprächsrunde. Sie verwies auf die aktuelle Coronavirus Studie mit Kindern, die zeigt, dass Kinder von null bis zehn Jahren weniger an Covid 19 erkranken und daher als Überträger des Virus nur eine untergeordnete Rolle spielen. „Gerade in Kitas und an den Grundschulen sind die Abstandsregelungen schwer einzuhalten, mit der weiteren Öffnung werden diese kaum umsetzbar sein“, äußerte sich Boser und ergänzte, dass hierzu das Kultusministerium den Rahmen noch vorgeben wird. Hier bemängelten die beiden Schulleiterinnen die Art der Kommunikation mit dem Kultusministerium, da oftmals die Presse, anstatt die Schulleitungen, zuerst die neuesten Informationen erfahren.

Anschließend erkundigte sich Sandra Boser bei Monika Doberitz und Angelika Philipzen, wie es an den Schulen mit verfügbaren Lehrkräften aussähe. Der Lehrermangel stelle ein großes Problem dar, da waren sich die beiden Schulleiterinnen einig. Mit der Einteilung in die Risikogruppen fehle ein weiterer Anteil von Lehrern. „Derzeit sind es mehr als 25 % der Lehrkräfte die an der Grundschule wegfallen. Eine 60-jährige Lehrkraft, eine Schwangere und zwei Vorerkrankte, die aufgrund von Corona nicht arbeiten können“, so Monika Doberitz und erzählt weiter, „bei verkürztem Unterricht stellt das kein Problem dar. Wenn aber der Regelunterricht wiederbeginnen soll, ist es ein großes Problem den Unterricht aufrechtzuerhalten.“ Dies bestätigte auch Angelika Philipzen. An ihrer Schule fallen derzeit 20 % der Lehrer durch die Altersgrenze oder familiäre Betroffenheit aus und sie weist darauf hin, dass die Regelung mit 60 Jahren und Risikogruppe sehr speziell sei. Hier informierte Boser, dass die 60 Jahre nicht vom Landtag beschlossen wurde, sondern von der Kultusministerkonferenz (KMK). „Wenn wir den Unterricht sichern wollen, dann kann die Altersgrenze künftig kein Ausschlussgrund mehr sein. Diese Regelung stellt gegenüber anderen Berufsgruppen auch eine Ungleichbehandlung dar. Wer aufgrund einer Vorerkrankung nicht arbeiten kann, soll dies auch künftig nicht müssen, aber dafür braucht es dann auch ein Attest“, so Boser. Bürgermeister Weide kritisierte: „In der Kommune wird das Personal nicht freigestellt, sondern es arbeiten alle oder sie müssen ein Attest bringen. Das Thema Freistellung bei Lehrern ist nicht verständlich. Auch im Kindergarten funktioniert die volle Gruppenstärke mit Freistellung nicht. Die Kinderversorgung muss sichergestellt sein.“ Er erklärte weiter, dass zudem teilweise die Lehrer überarbeitet seien, weil Lehrkräfte fehlen. Hinzukomme, dass von den Eltern ein riesen Druck bestehe, dass die Kinder zurück in die Schulen und Kitas gehen dürfen, da die Eltern wieder arbeiten müssten. Dem pflichtete Sandra Boser bei, dass viele Lehrer inzwischen auf dem Zahnfleisch gehen, viele hätten durchgearbeitet und noch die Notbetreuung übernommen. „Präsenzunterricht, Betreuung von Zuhause und die Notgruppen reichen nicht aus“, betonte Doberitz. „Hier ist Solidarität gefragt“, betonte Angelika Philipzen.

Die Landtagsabgeordnete Boser stimmte Philipzen zu und äußerte den Wunsch, für die Notbetreuung und im Unterricht auch wieder außerschulische Partner mit ins Boot zu holen wie Vereine oder die Caritas. „Hier fehle Flexibilität, um auch Zugang zu anderen Angeboten zu schaffen, wie den reinen Lernstoff“, unterstrich Boser und ergänzte, „vielen Kindern fehlt es aufgrund der Pandemie an Kreativ- und Bewegungszeit, dies kann durch ein breites Ferien- und Schulangebot, wie man es in normalen Zeiten auch kennt, vorgehalten werden.“

Sandra Boser fragte zudem nach, wie es mit der Digitalisierung klappen würde und ob es Wünsche gäbe. Monika Doberitz wies daraufhin, dass es wichtig sei abzufragen, ob Endgeräte Zuhause vorhanden seien. Auch sehe sie im Grundschulalter das digitale Lernen eher schwierig, da die Schüler oftmals Hilfe von den Eltern beim Einrichten der digitalen Lerngeräte benötigen und daher von den Eltern begleitet werden müssten. „Digitalisierung in der Grundschule ist nicht der Königsweg“, so Doberitz.

Abschließend ging es noch um das Thema Homeschooling. Angelika Philipzen berichtete erfreut, dass die Prüfungen an ihrer Schule gut verlaufen seien. Aber sie warnte auch, dass es Kinder und Jugendliche gibt, die nur schwer erreicht werden. „Eigenmotivation und Struktur sind für erfolgreiches Homeschooling wichtig“, hob Philipzen hervor. „Die Pandemie zeigt, dass die Schule für die Kinder ein wichtiger Ort ist, nicht nur um zu lernen, sondern auch um Struktur und Zuwendung zu erhalten“, betonte Doberitz. Sandra Boser und Angelika Philipzen waren sich einig: „Die Schulangebote müssten verpflichtend sein, um auch die Kinder zu erreichen, die sonst nicht kommen würden.“