Sandra Boser MdL und Staatssekretärin Bärbl Mielich MdL zu Besuch bei der Hebammenschule in Lahr

(Lahr) Auf Einladung von Sandra Boser, bildungspolitische Sprecherin und stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen-Landtagsfraktion, besuchte die Staatssekretärin im Ministerium für Soziales und Integration Bärbl Mielich am Mittwoch, den 02.10.2019 die Hebammenschule in Lahr. Die Hebammenschule in Lahr- in der Trägerschaft der deutschen angestellten Akademie und des Ortenau Klinikum – ist eine von neun Hebammenschulen in Baden-Württemberg und wird geleitet von Liane Braun und Meike Kolfenbach. In einer Gesprächsrunde tauschten sich Sandra Boser und Bärbl Mielich mit den beiden Schulleiterinnen und der Mitarbeiterin Christina Heider über die aktuellen Themen aus.

Ein sehr wichtiges Anliegen war Frau Braun und Frau Kolfenbach die Reform der Hebammenausbildung. Bislang werden die Hebammen in drei Jahren an ihrer Schule ausgebildet. Aufgrund einer EU-Richtlinie soll die Umwandlung der Ausbildung ab Januar 2020 in ein grundständiges Hochschulstudium der Hebammenwissenschaft mit Bachelorabschluss auf den Weg gebracht werden. „Bis 2027 gilt eine Übergangsfrist, so lange darf die Ausbildung maximal beibehalten werden“, erklärte Staatssekretärin Bärbl Mielich. Das bedeutet, dass 2020 vermutlich der letzte Kurs zur Hebammenausbildung in Lahr starten wird. Mit großer Wahrscheinlichkeit kann das Studium im WS 2021 an den Start gehen.

Noch ist nicht bekannt, wo die zukünftigen Universitäts- bzw. Hochschulstandorte zustande kommen werden. „Wichtig ist eine gute Verteilung übers Land und ein Studienangebot für den ländlichen Raum“, betonte Mielich. Staatssekretärin Mielich wies auch darauf hin, dass die Finanzierung der praktischen Ausbildung geklärt sein müsse. Die Einrichtung von zusätzlichen Studienplätzen sei aktuell im Haushalt berücksichtigt.

Die Lehrkräfte der Hebammenschulen Lahr und Villingen-Schwenningen haben gemeinsam mit Vertretern der Hochschule Furtwangen eine Expertengruppe gebildet und mit der Entwicklung eines Studiengangs begonnen. „Wenn die Studiengänge an den Hochschulen starten, werden die Lehrkräfte sich neu orientieren“, sagte Kolfenbach. Deshalb sei eine gute gemeinsame Planung der Übergangszeit wichtig. Bärbl Mielich antwortete darauf: „Es wird ein gemeinsames Treffen mit den Hebammenschulen geben, um den Wechsel zu besprechen, damit dieser auch funktioniert. Die Lehrkräfte müssen auch ohne akademischen Grad unterrichten können oder eine Weiterqualifikation muss möglich sein.“ Frau Kolfenbach und Frau Braun wiesen darauf hin, dass es für die betroffenen Lehrkräfte möglich sein müsse, bis zur Rente weiterhin einen Arbeitsplatz zu haben.

Des Weiteren wurde kurz über das Thema Geburtszentren gesprochen. Staatssekretärin Mielich sprach sich für lokale Gesundheitszentren mit Fokus auf geburtshilflicher Versorgung aus, die modellhaft vom Land gefördert werden können. Hierbei arbeiten Hebammen, Frauenärzte und weitere Gesundheitsberufe zusammen, um so eine gesundheitsfördernde Rundumbetreuung in der Familienbildungsphase gewährleisten zu können. „Nach Beendigung der Bewerbungsfrist haben wir erfreut festgestellt, dass es zahlreiche Bewerbungen mit interessanten Konzepten gibt“ erklärte die Staatssekretärin. „Hier im Ortenaukreis ist die Versorgung bei einer Schwangerschaft sehr schwierig und die Gynäkologen nehmen ab. Daher sind der Austausch und die Zusammenarbeit von Hebammen und Frauenärzten wichtiger denn je“, erklärte Sandra Boser.

Frau Braun ergänzte: „Die Bereitschaft zur Zusammenarbeit hat sich inzwischen im Gesundheitswesen gebessert.“ Es wurde auch angesprochen, dass der ländliche Raum attraktiv für Hebammen gestaltet werden muss.

Abschließend besuchten Sandra Boser MdL und Staatssekretärin Bärbl Mielich MdL noch die Hebammenauszubildenden, um im direkten Austausch ihnen Rede und Antwort zu stehen. Dabei ging es unter anderem um die Frage, wie die jetzt ausgebildeten Hebammen nachqualifiziert werden können, um die berufliche Weiterentwicklung zu unterstützen. Weitere Fragen gab es zur Qualifikation für die in Zukunft vorgeschriebene Praxisanleitung in der Ausbildung und ob sich genügend Bewerber/Innen für ein Hebammenstudium finden werden.