„Wir merken den Klimawandel jeden Tag“ Sandra Boser MdL und Martina Braun MdL zu Besuch auf dem Gründlebauernhof

(Hornberg) Seit jeher betreiben die Bauern im Schwarzwald Milchviehwirtschaft. Dabei sind Betriebsgrößen mit unter 50 Milchkühen typisch für die Region. Viehhaltung ist aber nicht allein Milchproduktion, sondern prägt durch die Weidehaltung die Kulturlandschaft des Schwarzwaldes. Wie sich der Alltag auf dem Gründlebauernhof in Hornberg durch den Klimawandel seit 2014 verändert hat, beschreibt die Bäuerin Sina Schmidt im Gespräch mit den beiden Abgeordneten Sandra Boser, bildungspolitische Sprecherin und stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Fraktion GRÜNE im Landtag und Martina Braun MdL, Sprecherin für Ländlichen Raum.

Sina Schmidt betreibt den Bioland-Bauernhof Gründlehof seit 2014 und hält dort 29 Milchkühe im Vollerwerb auf 30 ha. Neben den Milchkühen gibt es noch eine Kälbergruppe, Pferde und Kleintiere wie Hennen sowie ein Hausschwein. Sina Schmidt sieht Ihren Hof auch als Erfahrungsfeld und bietet dort Führungen für Kindergärten, Schulklassen und alle weiteren Interessierten an: „Es geht darum, das Land zu erfahren und die Natur zu begreifen, ums Riechen, Schmecken, Tasten und Sehen.“

Aufgrund der anhaltenten Trockenheit der letzten Jahre steht der Hof nun vor neuen Herausforderungen. „Wegen der Hitze füttern wir im Stall. Dieses Jahr haben wir schon im August weniger Winterfutter ernten können als die Jahre zuvor und müssen jetzt schon zufüttern, weil die Wiese praktisch Heu und kein Gras ist,“ so Schmidt.

Dazu Sandra Boser: „Ich bin wegen eines kommunalen Konzepts für die Wasserversorgung im ländlichen Raum im Gespräch mit dem Landrat. Durch die zunehmende Trockenheit brauchen die Kommunen ein Wasserversorgungskonzept auch für den Außenbereich. Die untere Naturschutzbehörde muss für das Thema sensibilisiert werden.“

Bei der Stallbesichtigung fiel das Gespräch auf die Förderkriterien für Jungbauern. Der Gründlebauernhof erhielt zu Beginn im Rahmen des Maßnahmen- und Entwicklungsplan Ländlicher Raum Baden-Württemberg (MEPL III) eine Förderung des Agrarinvestitionsförderungsprogramm (AFP). Durch diese Förderung konnte Sina Schmidt den Stall bauen mit dem Futtertisch für ihre knapp 30 Rinder. „Das Problem ist, dass die Förderung zeitlich gebunden ist. Ich kann also meine Landwirtschaft nicht verändern, wenn sie sich durch den Klimawandel nicht mehr lohnt, ich wünsche mir da mehr Flexibilität von der Politik,“ so Schmidt. Sandra Boser und Martina Braun waren sich einig, dass Bauern einen sehr wichtigen Beitrag für die Gesellschaft leisten. Dazu Sandra Boser: „Die Höfe müssen sich weiterentwickeln können. Es gibt da ganz tolle Beispiele wie man Landwirtschaft und Natur erlebbar machen kann. Das rechtfertigt auch die Förderungen des Landes, da die Bauern die Landwirtschaftspflege und das erlebbare Heimatgefühl fördern. Das macht die Region lebenswert.“

Martina Braun pflichtete ihr bei: „Wir als Land sagen, dass es mehr Förderung für den Start von Jungbauern geben muss und dazu muss man noch die Flächen fördern. Da kann man nochmal genau hinsehen, dass da auch derjenige die Förderung erhält, der die Flächen tatsächlich auch bewirtschaftet, da wünsche ich mir eine bessere Kontrolle.“

Zum Abschluss tauschten sich die beiden Abgeordneten mit der Bäuerin bei selbstgemachtem Eistee und Hofeis über die Themen Mutterkuhhaltung, die Wichtigkeit von Zusammenschlüssen bei der Regionalvermarktung und die Naturparkschulen aus.