„Es ist wichtig, die Drogenhilfe zu stärken“ – Sandra Boser zu Besuch bei der Drogenhilfe in Lahr

(Lahr) Sandra Boser, örtliche Wahlkreisabgeordnete und stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Fraktion GRÜNE im Landtag, hat am 07. Oktober 2020 gemeinsam mit der Grünen Kandidatin für den Bundestagswahlkreis Emmendingen/Lahr und Kreisrätin Heike Dorow die Drogenhilfe in Lahr besucht. Bei dem Gespräch mit Hermann Gilsbach (Leiter) und Stephan Lindner (stellv. Leiter) ging es um die Finanzsituation, Substitution, Auswirkungen von Corona sowie neue Konsumtrends.

Zu Beginn schilderte Hermann Gilsbach der Abgeordneten Sandra Boser und der Kreisrätin Heike Dorow die finanzielle Situation. Er freue sich, dass die Personalstellen von 4 auf 4,5 erhöht werden konnten. „Es ist gut, dass das Land vor zwei Jahren die Zuschüsse leicht erhöht hat und der Kreis unsere Arbeit nachhaltig fördert. Trotzdem ist es jedes Jahr eine Herausforderung gerade in den Drogenberatungsstellen eine schwarze Null zu erreichen, da die Eigenmittelerwirtschaftung begrenzt sei “, erklärte Gilsbach. Dorow und Boser stimmten zu, dass die Finanzierung weitergeführt werden müsse. „Unsere Zuschüsse vom Land werden fortgeführt. Uns ist es wichtig, dass die Kommunen und Kreise gut aus der Corona-Krise kommen. Mit den Ausgleichszahlungen vom Land an die Kreise und Städte und Gemeinden sollen Projekte und Investitionen fortgeführt werden“, berichtete Sandra Boser. „Die Wertigkeit des Angebots der Drogenhilfe Lahr ist unstrittig“, ergänzte Dorow.

„Derzeit werden ca. 80 Abhängige in der Praxis für Suchtmedizin substituiert, die seit zwei Jahren mit im Hause ist “, berichtete Gilsbach. Davon ist die Hälfte der Menschen in einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Mit der geordneten Vergabe von einem Substitut ist es gut möglich ein ganz normales Leben zu führen. „Wir können in Kooperation mit der Praxis schnell reagieren, da wir alles unter einem Dach haben. Das war gerade in der Zeit des Lock-Down sehr von Vorteil“, betonte Lindner.

Mit Corona und dem Lockdown hatten Gilsbach und sein Team mehr zu tun wie vorher, schnell konnte das Beratungsangebot an die Situation angepasst werden. „Mehr Betroffene, mehr Angehörige und Eltern, die aufgrund des gestiegenen Medienkonsums ihrer Kinder und Jugendlichen verunsichert waren, haben sich an uns gewandt“, so Gilsbach. Nicht immer ging es dabei um Sucht, sondern vor allem um den richtigen Rahmen der Mediennutzung. „Sensibilisierung für den Umgang mit digitalen Medien ist ein wichtiges Thema, daher muss Medienkompetenz über alle Altersklassen hinweg bei Kindern und Jugendlichen vermittelt werden“, stellte Sandra Boser fest. Dieses wichtige Anliegen sollte noch stärker in die Präventionsarbeit einfließen, waren sich alle Beteiligten einig.

Ein weiteres Thema, welches weiter an Bedeutung gewinnt, sind Suchterkrankungen im Alter. Stephan Lindner schilderte, dass einzelne Klienten gesundheitlich so eingeschränkt seien, dass es ohne pflegerische Hilfe nicht gehe. Es bedarf langjähriger Substitution und man müsse schauen, wie man die Schnittstellen verbessern könne. „Hier ist es sinnvoll mit ambulanten Pflegediensten stärker ins Gespräch zu kommen“, ergänzte Heike Dorow. Aber auch bei den stationären Einrichtungen ist das Thema Sucht aktuell. „Die Versorgung von Menschen mit anhaltendem Suchtmittelgebrauch im stationären Wohnen wird uns zukünftig stärken beschäftigen“, sagte Gilsbach. Auch hier kann die Kooperation noch weiter ausgebaut werden.

„Es ist wichtig, die Drogenhilfe mit ihren vielfältigen Aufgaben insgesamt zu stärken, auch, um die Polizeikräfte zu entlasten“, merkte Sandra Boser abschließend an und bedankte sich für den regen Austausch.