Intensiver Austausch beim WebTalk „Kulturpolitik für die Zukunft“ – Sandra Boser MdL und Staatssekretärin Petra Olschowski tauschen sich mit regionalen Kulturschaffenden aus

(Lahr) Auf Einladung der örtlichen Wahlkreisabgeordneten und stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Fraktion GRÜNE im Landtag, Sandra Boser, tauschten sich im öffentlichen WebTalk am 16.11.2020 zahlreiche Kulturschaffende der Region mit der baden-württembergischen Staatssekretärin im Wissenschaftsministerium Petra Olschowski zum Thema: „Kulturpolitik für die Zukunft“ und „Kultur während Corona“ aus.

Die Auswirkungen der Corona Pandemie beeinträchtigen Kunst und Kultur nach wie vor massiv. Auch unter diesem Eindruck war es Sandra Boser MdL wichtiger denn je, mit den Kulturschaffenden in einen Austausch zu treten, um Maßnahmen für die Zukunft zu definieren. Sandra Boser MdL eröffnete den WebTalk, zu dem sie anlässlich des Abschlusses des Kulturdialogs des Wissenschaftsministeriums „Dialog | Kulturpolitik für die Zukunft“, an dem bspw. auch Uwe Baumann vom Kosmos Schwarzwald beteiligt war, eingeladen hatte, um die Ergebnisse gemeinsam auszuwerten. Im Jahr 2018 startete der „Dialog | Kulturpolitik für die Zukunft“. Über zwei Jahre hinweg wurden 1.250 Kulturschaffende und externe Expertinnen und Experten in einem mehrstufigen Beteiligungs- und Dialogprozess zusammengebracht, um über zentrale kulturpolitische Fragestellungen zu diskutieren. In den vergangenen Monaten wurden diese Ergebnisse auch um die Eindrücke der Corona Pandemie ergänzt. Der WebTalk sollte ein Angebot sein, um den Dialogprozess von der Landesebene auf die regionale Ebene herunterzubrechen. Sandra Boser: „Kunst und Kultur sind nicht nur ein wichtiger Bestandteil unseres gesellschaftlichen Lebens, Kunst und Kultur sind auch ein wichtiger Wirtschaftszweig. Corona trifft die Branche hart. Es braucht daher weiterhin Unterstützung und Förderungen. Dabei müssen wir die Branche in ihrer Unterschiedlichkeit betrachten. Die Arbeitswelt im Kultursektor ist sehr vielfältig, dies muss sich auch in den Fördermaßnahmen widerspiegeln. Es braucht zudem Konzepte dafür, wie Kunst und Kultur in Zukunft wieder angeboten werden kann.“

In ihrem Input ging Staatssekretärin Petra Olschowski auf die Ergebnisse des Dialogprozesses ein: „Besonders wichtig war für mich, auf die unterschiedlichen kulturellen Angebote einzugehen und auch die unterschiedlichen Strukturen in Stadt und Land zu berücksichtigen. Mit neuen Programmen wie den „Freiräumen“, bei denen wir Räume für Kunst und Kultur im ländlichen Raum fördern werden, wollen wir gerade dort die Strukturen verbessern und mithilfe von Kunst und Kultur Leerräume wiederbeleben. Damit leisten wir auch einen wichtigen Impuls zum gesellschaftlichen Zusammenhalt.“

Mit dem „Masterplan Kultur BW | Kunst trotz Abstand“ hat das grün geführte Kunstministerium seit Beginn der Pandemie in kürzester Zeit zusätzliche Unterstützungsprogramme für Kunst- und Kultureinrichtungen aufgelegt. Mit diesem Programm konnten auch in der Ortenau innovative Projekte gefördert werden und viele Einrichtungen und Vereine unterstützt werden. Staatsekretärin Petra Olschowski formulierte abschließend: „Es war unser zentrales Projekt in dieser Legislaturperiode, der Kultur die Türen zu öffnen. Das haben wir über eine Vielzahl von neuen Programmen und Projekten in den vergangenen Jahren befördert. Deshalb trifft es uns heute besonders hart, dass die Kultur jetzt pandemiebedingt die Türen schließen muss. Darum ist es ganz entscheidend, weiterhin im Dialog zu bleiben, um die Kultur während und vor allem auch nach der Pandemie zu unterstützen. Auf Initiative unseres Ministeriums bietet die Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg MFG ab sofort eine Corona Hotline zur Beratung von Künstler*innen sowie Kultur- und Kreativschaffende an. Wichtig wird in Zukunft auch sein, das Publikum nicht aus dem Blick zu verlieren.“

In der anschließenden Diskussion schilderten der Choreograf William Sánchez-Herrera von der inklusiven Tanzcompagnie SZENE2 (Lahr), Felix Neumann von der World HipHop-Band Zweierpasch (Kehl), Edzard Schoppmann vom Theater BAAL novo, der Veranstalter und DJ Walter Holtfoth (Friesenheim), Uwe Baumann, der Geschäftsführer von Kosmos Schwarzwald (Lahr), der Schriftsteller José Francisco Agüera Oliver (Hausach), der Veranstaltungstechniker Jürgen Wussler von WVT (Haslach),  Linda Treiber von der Galerie Linda Treiber (Ettenheimmünster) sowie Heike Dorow und Wolfgang Richter von der Lahrer Rockwerkstatt ihre aktuelle Situation.

Felix Neumann von der World HipHop-Band Zweierpasch formulierte, dass sie sich als Band alleine gelassen fühlten, weil bei ihnen von den Hilfen bisher nichts angekommen sei: „Wer die Musik nicht im Haupterwerb bestreitet, fällt derzeit durch das Raster. Hier muss dringend nachgearbeitet werden.“ Auch der Veranstalter Walter Holtfoth betonte, dass es der Szene an einer Interessenvertretung fehle, diese jetzt aber über die Initiative „Alarmstufe rot“ besser zusammenwachse. Edzard Schoppmann vom Theater BAAl novo gab zu bedenken, dass er den Kulturdialog sehr gut fand, aber nach wie vor der ländliche Raum mehr in den Blick genommen werden muss: „Hier Strukturen im Bereich Kunst und Kultur aufzubauen sind viel aufwendiger, als in der Stadt“. Auch Heike Dorow, Kandidatin für die Bundestagswahl für die Grünen und Vereinsmitglied der Lahrer Rockwerkstatt bestätigte dies, die Kultur im Ländlichen Raum fände immer noch weniger Beachtung in der öffentlichen Wahrnehmung. Abschließend ging José Francisco Agüera Oliver auch darauf ein, dass Kultur mehr sei, als eine nette Unterhaltung. Außerdem wünschte er sich, dass das Land die Kommunen mit Ihrer Verantwortung für die Kultur stärker mit ins Boot holen sollten. „Die alternativen Kulturangebote der vergangenen Monate, beispielsweise Streaming-Konzerte, können Konzerte, Theater oder Lesungen nicht ersetzen. Der Kontakt zum Publikum gehört dazu, um Kunst und Kultur erlebbar zu machen“, so die Aussage von William Sánchez-Herrera, der sich die Kulturschaffenden anschlossen.

Petra Olschowski versicherte: „Die Schließung der Kulturstätten war keine einfache Entscheidung. Corona hat nochmals deutlich gemacht: Es braucht mehr Absicherung bei den Arbeitsmodellen im Kultursektor. Mit den Novemberhilfen des Bundes sollen 75 Prozent des Vorjahresumsatzes erstattet werden. Der Austausch hat aber nochmals sehr deutlich gemacht, dass wir als Land die Unterschiedlichkeit innerhalb der Szene im Blick behalten müssen. Bei den Kommunen werden wir darum werben, ihre Kulturförderung auch nach Corona aufrechtzuerhalten. Die Gesellschaft braucht die Kultur und den Kultursektor. Darum müssen wir jetzt alles dafür tun, dass dieser auch nach der Pandemie noch gut dasteht und das Publikum wieder den Weg zu den Kulturangeboten findet.“ Sandra Boser MdL sagte abschließend zu, den Austausch zu einem anderen Zeitpunkt fortzuführen um die Situation auch weiterhin im Blick zu behalten.