Maßnahmenpaket gegen Lehrermangel

(Stuttgart/Lahr) Zum neuen Schuljahr 2018/19 hat das Land Baden-Württemberg rund 5.700 unbefristete Lehrerstellen an den öffentlichen allgemein bildenden und beruflichen Schulen zu besetzen. Darin sind über 600 Stellen enthalten, die im letzten Jahr nicht besetzt werden konnten. Bislang konnten knapp 5.000 Stellen besetzt werden. Darüber hinaus ergibt sich dieser enorme Einstellungsbedarf auch in diesem Jahr zum größten Teil aus dem hohen Ersatzbedarf von circa 4.100 Stellen, der insbesondere durch Pensionierungen entsteht.

Seit ihrem Amtsantritt im Jahr 2016 hat die grün-schwarze Landesregierung deshalb
verschiedene Maßnahmen zur Entschärfung des Lehrermangels in Baden-Württemberg
unternommen. Für uns Grüne hat dabei die Gewährleistung einer qualitativ hochwertigen
Unterrichtsversorgung an unseren Schulen eine hohe Priorität. Daher haben wir in den letzten
Jahren große Anstrengungen unternommen, um diese stetig zu verbessern. Bei den letzten
Haushaltsberatungen war es uns daher wichtig, dass unsere Schulen ausreichend mit Lehrerinnen und Lehrern versorgt werden, um die Unterrichtsversorgung auf eine stabile Basis
zu stellen. Angesichts langfristig steigender Schülerzahlen in Baden-Württemberg hat die
grün-geführte Landesregierung daher beschlossen, keine Lehrerstellen abzubauen. Damit
wird der eingeplante Abbaupfad, der in den nächsten beiden Jahren die Streichung von
700 Lehrerstellen vorsah, nicht mehr weiterverfolgt und ausgesetzt.

Vom Stopp des Abbaupfads profitieren alle Schularten im ganzen Land. Zudem haben wir für verschiedene
bildungspolitische Maßnahmen insgesamt 1352 Deputaten für 2018 und 2019 bereitgestellt.
Nicht zuletzt deshalb wurde der Bildungsetat beim letzten Doppelhaushalt im Dezember 2017
ordentlich aufgestockt. Der Etat des Kultusministeriums wird im Haushaltsjahr 2018 mehr als
elf Milliarden Euro umfassen. Im Vergleich zum Jahr 2017 ist dies eine Steigerung um über 476
Millionen Euro. Im Haushaltsjahr 2019 werden weitere 273 Millionen Euro dazukommen. Wir
investieren somit besonders viel in die Bildung. Jeden fünften Euro gibt das Land nun für
Bildung aus.

Zusätzlich haben wir die Studienplätze für das Grundschullehramt um 200 Plätze erhöht.
Damit reagieren wir auf den erhöhten Bedarf an den Grundschulen. Um geeigneten
Nachwuchs für den Lehrerberuf zu gewinnen, muss die Attraktivität des Berufes wieder
stärker in den Blick genommen werden, etwa, indem wir mehr Möglichkeiten für Aufstieg und
berufliche Veränderung schaffen. Lehrerinnen und Lehrer mit befristeten Verträgen müssen
frühzeitig eine Perspektive erhalten. Nachbesserungsbedarf gibt es auch beim Thema
Gesundheitsvorsorge im Lehrerberuf. Es ist beunruhigend, wenn nur 25 Prozent der
Lehrerinnen und Lehrer vollumfänglich bis zur Altersgrenze ihrer Arbeit nachgehen.
Gesundheitsmanagement und Stressbewältigung sind für den Lehrerberuf essentiell und
müssen deshalb in Aus- und Fortbildung eine größere Rolle spielen. Mit diesen Maßnahmen
wollen wir die Lehrerinnen und Lehrer an unseren Grundschulen entlasten und unterstützen.
Zusätzlich bieten wir Lehrerinnen und Lehrern, die freiwillig eine befristete Beschäftigung
eingehen, eine Verbeamtung an. Sie erhalten daher entsprechende Angebote, die aber nicht
immer angenommen werden, bspw. weil dies dem Ortswunsch der Lehrperson nicht
entspricht.

Wenn Stellen nicht besetzt werden können, bleiben die dafür bereitgestellten Gelder
weiterhin für die Stellen frei. Sie fließen also nicht woanders hin. Dadurch bleibt es möglich
das ganze Schuljahr über nach neuen Lehrkräften zu suchen. Insbesondere für die
Grundschulen ist es derzeit eine große Herausforderung geeignete Lehrkräfte zu finden. Für
Gymnasiallehrkräfte gibt es deshalb zusätzlich die Möglichkeit, über Fortbildungen als
Grundschullehrkraft in den Dienst zu treten. Dieses Angebot haben bisher ca. 200 gymnasiale
Lehrerinnen und Lehrer angenommen. Auf diesem Wege lässt sich die Lücke an den
Grundschulen ein wenig schließen, doch auf Dauer möchten wir unseren sehr gut
ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrern eine verlässliche berufliche Perspektive bieten.
Gerade im Wettbewerb mit anderen Bundesländern ist dies unerlässlich, wenn wir die von
uns ausgebildeten Fachkräfte in Baden-Württemberg halten wollen.