(Lahr). Strategien gegen den Arbeitskräftemangel, neue Anforderungen an moderne Berufsbilder und die passenden Rahmenbedingungen für Auszubildende standen beim Besuch von Sandra Boser MdL, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag von Baden-Württemberg und Abgeordnete für den Wahlkreis Lahr, in der Geschäftsstelle Lahr der IHK Südlicher Oberrhein im Fokus.
Dabei tauschte sie sich mit Hauptgeschäftsführer Dr. Dieter Salomon und dem Geschäftsführer für Aus- und Weiterbildung, Simon Kaiser, über die drängendsten Fragen der regionalen Wirtschaft aus.
Der Strukturwandel in den Unternehmen spiegelt sich direkt auf dem Ausbildungsmarkt wider. Geschäftsführer für Aus- und Weiterbildung, Simon Kaiser, verdeutlichte, dass es neben fehlenden Bewerberinnen und Bewerbern auch zu einer spürbaren Verschiebung der Berufsbilder komme. Durch die fortschreitende Digitalisierung verändern sich die Tätigkeitsprofile. „Für junge Menschen ist es gerade schwer abzuschätzen, welchen Berufsweg sie einschlagen sollen, da sie nicht wissen, welche Berufe zukünftig gebraucht werden. Daher ist es wichtig, dass sich die Unternehmen in den Schulen oder auf Berufsmessen vorstellen“, antwortete Sandra Boser MdL.
Simon Kaiser berichtete, dass bei der Gewinnung von Auszubildenden die Wohnraumfrage ein zunehmendes Hemmnis darstelle. Da Betriebe auch überregional oder im Ausland nach Nachwuchs suchen müssen, wird bezahlbarer Wohnraum in Reichweite der Ausbildungsstätten und beruflichen Schulen zu einem entscheidenden Kriterium. Kaiser plädierte für eine verstärkte Unterstützung beim Bau und der Bereitstellung von Azubi-Wohnheimen. Sandra Boser informierte über Landesprogramm zur Förderung von Wohnraum für Auszubildende, dass unter dem Namen „Junges Wohnen“ laufe. Ziel des Programms sei es, mietpreisgünstigen und bezahlbaren Wohnraum speziell für Auszubildende zu schaffen. Investoren, Kommunen oder Wohnungsbaugesellschaften erhalten einen einmaligen Zuschuss als Anteilsfinanzierung je geschaffenem Platz. Die Wohnungen würden dann an Betriebe vermietet, die einen Teil der Miete bezuschussen, sodass die Auszubildenden eine günstigere Warm-Pauschalmiete zahlen müssten.
Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken lobte Kaiser die gute Arbeit der Landesagentur für die Zuwanderung von Fachkräften (LZF) in Baden-Württemberg sowie die der Welcome Center. „Die Landesagentur verkürzt das Verfahren für qualifizierte Arbeitskräfte aus Drittstaaten und hilft den Unternehmen bei der Anmeldung ihrer Fachkräfte. Vor Ort leisten die Welcome Center die unverzichtbare Lotsenarbeit, um ausländische Fachkräfte und Betriebe erfolgreich zusammenzubringen.“
Abschließend informierte Boser noch zum Effizienzgesetz. „Zum 31. Dezember 2027 werden alle landesrechtlichen Berichts-, Dokumentations- und Aufbewahrungspflichten pauschal abgeschafft. Soll danach eine Pflicht behalten werden, so muss begründet werden, warum diese absolut unerlässlich ist“, so Boser. Damit entlasten wir die Wirtschaft und die Kommunen.
Sandra Boser MdL bedankte sich für die praxisnahen Impulse der IHK-Führung und sagte abschließend: „Die Sicherung unserer wirtschaftlichen Basis gelingt nur durch eine moderne Bildungsinfrastruktur und flexible Lösungsansätze von der Wohnraumförderung bis zur gesteuerten Fachkräftezuwanderung.“ Beide Seiten vereinbarten, den konstruktiven Dialog fortzuführen.
Bild:
v.l.n.r.: Dr. Dieter Salomon, Sandra Boser MdL, Simon Kaiser
Bildquelle: IHK Südlicher Oberrhein