(Lahr). Sandra Boser MdL, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag von Baden-Württemberg und Abgeordnete für den Wahlkreis Lahr, besuchte das Haus des Jugendrechts (HdJR) in Lahr, um sich ein genaues Bild von der behördenübergreifenden Zusammenarbeit vor Ort zur Strafverfolgung, Erziehung und Prävention bei jugendlichen Delinquenten zu machen. Erster Staatsanwalt Phillip Nique und Kriminalhauptkommissarin Kerstin Geiger begrüßten Sandra Boser MdL in den Räumlichkeiten des Hauses des Jugendrechts.
Nach einem kurzen Rundgang durch die modernen, auch auf sensible Vernehmungen ausgerichteten Räumlichkeiten, und der Begrüßung durch Oberstaatsanwalt Dr. Hornung-Jost im Namen der verhinderten Leitenden Oberstaatsanwältin Janke, stellte Kriminalhauptkommissarin Kerstin Geiger zunächst einmal das Haus vor: „Das Haus des Jugendrechts Lahr wurde 2025 offiziell eröffnet und ist das zweite neben Offenburg im Ortenaukreis. Deutschlandweit gibt es 30 dieser Häuser, wovon 14 davon in Baden-Württemberg stehen. Daher sind wir hier im Land gut aufgestellt“, so Geiger und sagte weiter: „Das Haus in Lahr ist eine behördenübergreifende Einrichtung in der Polizei, Staatsanwaltschaft, Jugendhilfe im Strafverfahren und die Jugendarbeit der Stadt Lahr eng unter einem Dach zusammenarbeiten.“
„Strafverfolgung und sozialpädagogische Hilfe so eng miteinander zu verzahnen ist ein absolutes Vorzeigemodell, um straffälligen jungen Menschen wieder eine Perspektive für ein straffreies Leben aufzuzeigen“, lobte Sandra Boser MdL. Erster Staatsanwalt Nique stimmte zu: „Der Leitgedanke des Jugendgerichtsgesetz ist der Erziehungsgedanke. Wir wollen die jungen Menschen wieder auf den richtigen Weg bringen und sie nicht verlieren!“ Ziel sei es, auf Straftaten von Jugendlichen und jungen Erwachsenen unter 21 Jahren schnell, koordiniert und erzieherisch zu reagieren, um kriminelle Karrieren frühzeitig zu stoppen, so Nique.
Kriminalhauptkommissarin Kerstin Geiger erklärte weiter, dass durch die kurzen Wege die Verfahren spürbar beschleunigt werden können und auch erzieherische Maßnahmen – wie Arbeitsstunden oder Betretungsverbote wie zum Beispiel ein Stadtverbot zügig durchgesetzt werden können. Komme es zu Streitigkeiten in einer Schule, so gehe die Polizei auch mal direkt in die Schule, um mit den beteiligten Schülerinnen und Schülern den Streit zu klären. „Es ist wichtig ein Verständnis herzustellen, was lustig ist und was nicht“, so Erster Staatsanwalt Nique. Auch die Drogenhilfe Lahr sei ein wichtiger Kooperationspartner bei der präventiven Arbeit, so Nique.
Bei der Hälfte von den Delikten handele es sich um Diebstahl. Körperverletzungen, Bedrohungen, Beleidigungen und ein kleinerer Anteil an Raubdelikten machten einen weiteren Teil der Straftaten aus, berichtete Erster Staatsanwalt Nique. Das Einzugsgebiet umfasse neben Lahr noch Friesenheim, Seelbach, Schuttertal und Kippenheim.
„Die Aufgabe der Jugendhilfe im Strafverfahren ist die Beratung, Unterstützung und Begleitung für Jugendliche und Heranwachsende im gesamten Strafverfahren. Wir bilden die Brücke zwischen Justiz und Jugendhilfe“, informierte Melanie Kläger, Teamleitung der Jugendhilfe im Strafverfahren im Ortenaukreis.
Zur weiteren Kriminalitätsvermeidung durch Prävention trage auch die Jugendarbeit der Stadt Lahr sowie die Stärkung der Präventionsarbeit an Schulen und im sozialen Raum bei. „Es ist wichtig, dass die Jugendlichen eine Tagesstruktur bekommen. Die Eltern müssen Vorbild sein“, betonte Nique.
Landtagsabgeordnete Sandra Boser bedankte sich herzlich bei allen Teilnehmenden für ihren täglichen, engagierten Einsatz sowie den offenen Austausch und sagte abschließend: „Das Modell des Hauses des Jugendrechts hier in Lahr mit seinem präventiven Charakter leistet eine wertvolle Arbeit für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.“
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Vorne: Kerstin Geiger (ganz links), Phillip Nique, Dr. Hornung-Jost, Sandra Boser MdL (Mitte), Melanie Kläger (rechts außen), Alexander Biste.Sowie weitere Mitarbeitende des Hauses des Jugendrechts.
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